Turbulente Spendenfahrt in die peruanischen Anden

Vor gut 8 Wochen hatte ich mich mit zwei Weggefährten mit dem Fahrrad aufgemacht, um 2700 € Spenden an das Missionshospital „Diospi Suyana“ in Curahuasi/Peru persönlich zu übergeben. Nun bin ich seit 2 Wochen wieder zurück und kann über eine turbulente Fahrradtour in Südamerika berichten.

Auf der Fahrt von Lima bis nach Curahuasi durchquerte ich mit Wilfried Reichle und Jörg Baldauf mit Ausnahme der Selva sämtliche Vegetationszonen Perus. Während es die ersten Tage flach, aber bei hohen Temperaturen durch die Küstenwüste mit ihren Oasen ging, war die weitere Fahrt ab Nazca geprägt von zahlreichen mühevollen Anstiegen über mehrere Andenpässe von mehr als 4200 m Meereshöhe, unterbrochen von rasanten Abfahrten in die Flusstäler des Rio Pachachaca und Rio Apurimac. Während in kalten Nächten im Andenhochland nachts das Wasser in den Trinkflaschen gefror, hatten wir uns in den Tälern vor der intensiven Sonneneinstrahlung und den Sandfliegen zu schützen.

Nach 11 Tagen und 800 km auf dem Rad erreichten wir das Missionshospital Diospi Suyana in Curahuasi. Dort wusste man schon von ihrem Ankommen von ihrer „Spendenübergabe“. So wurden wir vom Verwaltungsleiter Stefan Seiler nicht nur freudig begrüßt, sondern konnten uns bei einer Führung durch das Krankenhaus nicht nur von der sinnvollen Verwendung der Spenden, sondern  auch von einem nicht nur für peruanische Verhältnisse hohen Standard der technischen Einrichtungen, wie auch von der Ordnung und Sauberkeit überzeugen. Wir ließen uns berichten, dass an manchen Tagen viele Quechuas – das sind die Nachfahren der Inkas,  Kinder und Erwachsene, vor dem Krankenhaus Schlange stünden, um behandelt zu werden. Und zwar ohne erstmal viel Bürokratie über sich ergehen lassen und Geld bezahlen zu müssen. Nicht nur solche Behandlungen werden ausschließlich über Spenden finanziert, sondern auch die Anschaffung und der Unterhalt der medizinischen Geräte und der Einrichtungen. Damit erreichen die Spenden die Ärmsten der Quechuas und ermöglichen ihnen die dringende medizinische Hilfe und eine würdevolle Behandlung. Das Gesundheitssystem des peruanischen Staates funktioniert nicht flächendeckend. Gerade diese Bevölkerungsgruppe hat oft keinen Zugang zu medizinischer Hilfe. Die 40 ausländischen Missionsärzte und das Pflegepersonal arbeiten ehrenamtlich, eine Bezahlung erfolgt in einigen Fällen über soziale Institutionen. Außerdem haben mehr als 100 peruanische Mitarbeiter hier einen bezahlten Arbeitsplatz. Damit ist das Krankenhaus auch der größte Arbeitgeber in dieser peruanischen Kleinstadt.

„Diospi Suyana“ kommt aus der Quechua-Sprache und bedeutet „Wir vertrauen auf Gott“. Dieser unerschütterliche Glaube ließ das deutsche Ärzteehepaar Claus und Martina John dieses Krankenhaus erschaffen. Ihr Studium in Yale und Harvard hätte ihnen beste Chancen für eine Mediziner-Karriere ermöglicht. Sie aber wollten ihre Ausbildung und ihr Wissen einfach den Ärmsten und Schwächsten der Gesellschaft zukommen lassen.

Das Projekt, das 2006 mit der Grundsteinlegung begann, ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Eine Augen- und Zahnklinik folgten und sind seit kurzem in Betrieb. Doch nicht nur die medizinische Betreuung der Einheimischen, sondern auch deren Schulbildung liegt den Johns am Herzen. Wissen sie doch, dass Bildung der Schlüssel für einen sozialen Aufstieg ist. So entstand in Curahuasi auch ein „Bildungszentrum“ mit Kindergarten, Primar- und Sekundarschule. Derzeit kommen 300 Kinder aus der näheren und weiteren Umgebung in eine nicht nur baulich, sondern auch von ihrem pädagogischen Konzept sehr moderne Schule.

Beeindruckt von diesem Werk und dem Wissen, dass diese Radreise ein „Klacks“ gegenüber der Leistung des Ehepaars Johns und ihrer Helfer ist, ging die Radreise in einer weiteren Etappe weiter nach  Cusco. Danach stand Machu Picchu auf dem Programm. Doch so weit sollte es nicht kommen.

Auf der Straße von Cusco nach Ollantaytambo ereignete sich im Valle Sagrado leider ein folgenschwerer Unfall. Jörg Baldauf –einer meiner Begleiter- wurde von einer „Temposchwelle“ ausgehebelt. Diese sind in Südamerika üblich, um Autofahrer in bewohnten Gegenden abzubremsen. Für ihn war diese leicht zu übersehende „Kuppe“ der Grund, um schwer zu stürzen. Die Bergung und der Transport in ein Krankenhaus in Cusco gestaltete sich schwierig. Erst nach 3 Tagen war sicher, dass Jörg „nur“ eine Gehirnerschütterung, ein Schleudertrauma und mehrere Prellungen davongetragen hatte. Dennoch wurde er in einem Spezialtransport per Flugzeug nach Lima verlegt, denn dort waren die Heilungschancen besser als in der Höhenlage von  Cusco, das 3500 m über Meereshöhe liegt.

Nachdem die ärztliche Versorgung von Jörg in Lima sichergestellt war, ging die Reise von Wilfried Reichle und mir weiter zum Titicacasee und LaPaz. Dort verabschiedete sich Wilfried, nachdem er zum Abschluss noch die Todesstraße "Camino de Muerte" fuhr, Richtung Heimat, während ich noch eine dreiwöchige „Fatbike-Radtour“ durch Bolivien anhängte.

Mein Plan war, die Lagunenroute von Uyuni nach San Pedro de Atacama zu fahren und dabei noch den Vulkan Uturuncu (6008 m) zu befahren.

Während die ersten 180 km  noch einigermaßen nach Plan liefen, war der Rest teilweise nur noch im Jeep zu bewältigen. Ein heftiger Sandsturm 15 km vor San Juan zeigte mir die Grenzen auf. Ein Vorwärtskommen war nur noch schiebend möglich. So war die Versorgung mit Essen und Trinken für die nächsten 150 km nicht mehr gewährleistet. Auch ein Aufladen des GARMIN war nicht möglich. Und ohne Navigation in der Siloli-Wüste hast du keine Chance.

Selbst die anderthalb Tage im Jeep waren abenteuerlich, waren aber in einer Gruppe junger Leute aus Spanien, Nordamerika und der Schweiz eine tolle, willlkommene Abwechslung.

Leider hatte ich mir nach einem Bad in den Thermas de Challviri eine ordentliche Erkältung eingefahren, nachdem ich danach noch über einen Pass von 4600 m bei kaltem, heftigen Gegen- und Seitenwind musste. Diese Erkältung sollte mich die restlicehn Tage in Südamerika noch begleiten.

In der quirligen Oasenstadt San Pedro de Atacama in Chile unternahm ich dann noch zwei sehr schöne Tagestouren ohne Gepäck zum Valle de la Luna und zur Laguna Cejar.

Mit dem Bus ging es dann nach Antofagasta, wo ich drei Tage am Pazifik verbrachte, bevor es mit dem Flieger nach Santiago de Chile ging.

 

 

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© Alfred Mähr