9. und 10. Juni 2016  Mit dem Landcruiser zu den Lagunen

 

Schon um sieben Uhr morgens geht es los. Habe ja tags zuvor das Rad auseinandergebaut, um es auf dem Dach des Jeep verstauen zu koennen. Der Fahrer heisst Fausto und scheint geuebt, Ersatzreifen, Wassertanks, Gepaeck und jetzt auch noch mein Rad ruettel- und schuettelfest zu verstauen. Ich bin beim Verladen dabei. Schaue, dass vor allem die Bremsscheiben und das Schaltauge nichts abbekommen koennen. Die Gruppe ist bester Stimmung. Gleich wird im Jeep ein Lied angestimmt. Sie reichen Fausto Kokabletter, die er genuesslich kaut, waehrend er den Landcruiser ueber Sandloecher, Waschbrett und Steine steuert. Wahrscheinlich faehrt er die Tour zwei- oder dreimal woechentlich. Manchmal scheint es, als ob der den Jeep zum Sandsurfen bringen wuerde. Es ist erstaunlich, welchen Untergrund das Fahrwerk ohne Probleme wegdruecken kann. Da haette ich mit meinem Fatbike trotz breiten Reifen groessere Probleme. Vor allem wird mir auch bewusst, dass ich bei den vielen Fahrspuren ohne einen Wegweiser ohne GPS keine Chance gehabt haette. Gegen Mittag erreichen wir die ersten Lagunen Canapa und Hedionda. Beim Aussteigen aus dem Jeep bekommen wir immer wieder die rauhe Wirklichkeit zu spueren. Auf dieser Hoebe von ca. 4200 - 4500 m blaest der Wind erbaermlich kalt. Oft bekomme ich kaum die Beifahrertuer auf, weil der Wind dagegen drueckt. Wir sind fasziniert von den Flamingos, die unter diesen Bedingungen immer noch Nahrung finden. Die meisten Lagunen sind natuerlich zugefroren, nur am Rand ist oefters mal ein kleiner Streifen aufgetaut. Die verschiedenen Lagunen leuchten in verschiedenen Farben, ganz abhaengig von den Mineralien auf dem Grund. So gibt es die Laguna Colorada, Laguna Verde, Laguna Blanca. An der Laguna Hedionda, einer besonders eindrucksvollen mit vielen Flamingos, machen wir im Windschatten des Jeeps Picknick. Fausto serviert Haehnschenschnitzel mit Nudeln und Gemuese aus der Warmhaltebox. Das sollte der einzige Luxus bleiben waehrend der gesamten Tour. Nachmittags erreichen wir die Felsformation Arbol de Piedra mit dem "versteinerten Felsen". Elias, der schweizer Hobby-Kletterer, hat sofort eine Moeglichkeit gefunden, diese und noch einen hoeheren Felsen zu erklettern. Es geht weiter zur Laguna Colorada, die sich in schoenstem Rot in der Nachmittagssonne zeigt. Fausto hat sich danach etwas ganz besonderes ausgedacht. Damit wir noch etwas Bewegung haetten, sollen wir zu dem ca. 6km entfernten Rifugio, unserer heutigen Unterkunft, zu Fuss gehen. Wir stimmen seinem Plan zu und machen uns zuerst am Ufer der Lagune, dann auf einem losen Geroellfeld, auf den Weg. Man koennte diese Wanderung auch "Moonwalk" nennen. Ist es der unebene, steinige Weg oder der harte Wind, der uns ins Gesicht blaest - auf jeden Fall scheinen die kleinen Punkte des Refugios am Horizont nicht groesser zu werden. 1 Stunde hatte Fausto gesagt, wuerden wir brauchen. Nach ueber eineinhalb Stunden strammen Marschierens haben wir dann die Rifugio vor uns. Trostlose kleine Huetten, mit Massenquartieren und einfachen Sitzgelegenheiten. Kein Strom. keine Heizung, dafuer aber trotzdem etwas Tee und Kaffee. Und Fausto spendiert zur Feier das Tages sogar eine Flasche Rotwein. Doch eine kleine Aufmunterung, bevor es in den Schlafsack geht. Die Wasserflasche neben meinem Bett ist am anderen Morgen gefroren. Gottseidank ist mein Schlafsack fuer diese Temeraturen geeignet. Die anderen der Gruppe haben scheinbar trotz vier bis fuenf Lagen Kleidung gefroren. Insgesamt sind 20 Personen in diesem Refugio untergebracht, bei zwei spaerlichen Toiletten. Es eruebrigt sich, ueber Duschen oder Waschgelegenheiten zu sprechen. Wir hatten ja kein Hotel erwartet.

Am anderen Morgen geht es bereits um 5 Uhr wieder los. In der Dunkelheit bei eisigen Temperaturen wird das Gepaeck wieder verladen. Die Piste wird noch grausamer. Jetzt geht es ueber steinige Pfade und tiefe Pisten stetig aufwaerts und abwaerts. Im gespenstigen Morgengrauen errreichen wir die Geysire. Ploetzlich dampft und zischt es aus der Erde - Gelegenheit, die Haende rein zu halten und wenigstens diese zu erwaermen. Es stinkt nach Schwefel und wieder einmal sind wir froh, wieder in den doch waermeren Jeep einsteigen zu koennen. Es geht weiter zu den warmen Quellen Thermas Chalviri. Fuer nur 6 Bolivianos ein warmes Bad auf 4300 m Hoehe - das ist zu verlockend. Nur das Umkleiden in bescheidenen Huetten mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ist etwas hart. Das Bad selbst ist grandios: Im ca. 33 Grad warmen Thermalwasser bei ueber den Vulkanen aufgehenden Sonne im Wasser zu sitzen - das laesst viele Entbehrungen schnell vergessen. Am liebsten moechten wir gar nicht mehr raus. Auch Mark, Elias und Maria muessen sich ueberwinden, wieder aus dem Bad auszusteigen.

Danach geht es weiter im Avaroa Nationalpark- der Grenzregion zwischen Bolivien, Chile und Argentinien - zu der Laguna Verde, die besonderes morgens zwischen 9 und 10 Uhr ihre praechtige gruene Farbe zum Leuchten bringt.

Unweigerlich geht fuer mich die Fahrt mit der Gruppe im Jeep zu Ende. Fausto bringt mich noch die 3 km zur bolivianischen Grenzstation Hito Cajon, danach faehrt die Gruppe zurueck nach Uyuni. Am Abend werden sie wieder dort sein. Es ist ein emotionaler Abschied von der Gruppe. Wir waren zwar nur eineinhalb Tage zusammen, aber waren schon ziemlich "zusammengeschweisst." Wir haben unsere e-mail-Adressen ausgetauscht und werden wohl in Verbindung bleiben.

Die bolivianische Grenzabfertigung ist schnell gemacht und Elias hlft mir noch, das Rad zusammen zu bauen. Es fehlt nur ein kleines Gelenk am Gepaecktraeger, das ich aber mit einem Kabelbinder ersetzen kann. Dann geht es wieder aufs Rad. Ich bin jetzt in Chile und auch hier begruesst mich gleich wieder der Gegenwind. Es geht erstmal 300 hm gegen diesen Wind und nicht allzu schlimmem Waschbrett nochmals auf 4400 m, bevor ich die Asphaltstrasse erreiche, die vom Paso Jama aus Argentinien her kommt. Der Rest ist Genuss pur. 40 km Abfahrt warten auf mich. Oben hat es 3 Grad, unten in San Pedro de Atacama werden mich 24 Grad erwarten. Auf der ganzen Abfahrt habe ich einen wunderbaren Blick auf den Vulkan Licancabur und die Atacama-Wueste. Immer wieder muss ich anhalten, um das Finale zu geniessen. Erst die letzten 4 km vor San Pedro beginne ich wieder, in die Pedale zu treten. Die chilenische Immigration klappt vorzueglich ohne grosse Gepaeckdurchsuchung nach Fruechten und Lebensmitteln.Ein junger Chilene nimmt mir auf der Strasse den Pass ab, kommt nch 2 Minuten wieder und ich habe den Stempel.

Nachdem ich vor 2 verschlossenen Hostals stehe und niemand aufmacht, steige ich in dem etwas verlassen aussehenden Hotel Quechua ab. Als erstes geniesse ich hier die Dusche. Sind doch einige Tage ohne Wasser und Waschen vergangen.

Doch nicht nur den ganzen Staub kann ich abschuetteln. Auch die ganze Anspannung der letzten Tage und Wochen faellt von mir ab! Jetzt, nach 5 Wochen, beginnt fuer mich der Urlaub in Suedamerika.

Die Tage in Atacama haben trotzdem noch viel zu bieten! Weiterlesen? Jetzt unter Tagebuch Chile

7. und 8. Juni 2016 Die Ersatzloesung

 

Nach der totalen Erschoepfung war der Schlaf ziemlich tief. Ich war zu muede, um darueber nachzudenken, wie es jetzt weitergeht. Auch nach dem Fruestueck, das mir der junge Besitzer widerwillig zubereitete, wusste ich noch nicht, wie es weitergehen sollte. Zu viele Probleme tauchten vor meinem geistigen Auge auf, um den Lagunentrail so zu absolvieren, wie ich es mir vorgesellt hatte. Ich wusste, dass mich Wind - vor allem in der zweiten Tageshaelfte erwarten wuerde. Doch das gestrige Erlebnis uebertraf alle Vorstellungen. Auch was die trockene Luft in dieser Hoehe bewirkt, musste ich gestern erfahren. Du trinkst und 5 Minuten klebt dir schon wieder die Zunge im Mund fest. Ich registrierte, dass das nicht nur Durst ist, sondern die unglaublich trockene Luft. Ich musste mit dem Wasser aeusserst sparsam umgehen, damit es bis San Juan reichte. Doch die naechsten Tage wuerde ich praktisch an kein Wasser kommen. Das naechste Problem: Auch elektrischen Strom zum Aufladen des Garmin wird es nicht geben. Aber ohne die Navigation mit dem Track auf dem Garmin konnte ich mir nicht vorstellen, den richtigen Weg zu finden. Keine Wegweiser, dafuer viele Jeepspuren im Sand. Das naechste Problem: Zelt aufstellen bei Starkwind - dazu gehoert viel Uebung, die ich aber nicht hatte. So schwer es mir fiel, es musste eine Ersatzloesung gefunden werden. Es offenbarte sich, dass um diesen Trail zu bezwingen, nicht nur physische und Radfertigkeiten vorhanden sein muessen, sondern viel Traveller- und Outdoor-Ueberlebensstrategien. Und die fehlten mir einfach. Ich musste feststellen, dass mir hier die Grundlagen fehlten. Aber was ist die Ersatzloesung? Gottseidank funktionierte die Telefonverbindung. Ich hatte naemlich mit Thomas Wilken ausgemacht, dass ich ihn in LaPaz anrufe, wenn ich in Schwierigkeiten stecke. Und das war jetzt der Fall. Es gab zwei Moeglichkeiten: 1. Auf relativ einfachem Trail bis nach Ollague/Chile zu kommen (ca. 80 km) Danach mit dem Bus ueber Calama nach San Pedro. 2. Auf eine organiserte Tour durch die Lagunen mit einem Jeep aufzuspringen und an der chilenischen Grenze wieder auszusteigen. Thomas organisiert solche Touren auch in Zusammenarbeit mit einer Agentur in Uyuni. Eine solche Gruppe mit 10 Teilnehmern aus Tirol war schon auf dem Weg nach San Juan. Die Jeeps waren aber voll. Sie konnten mich mit dem Rad nicht mitnehmen. Daher musste ich auf die naechste Gruppe - die einen Tag spaeter in San Juan eintreffen sollte, warten und mit dieser Gruppe weiterreisen. Da ich unbedingt den Lagunentrail machen wollte, nahm ich dieses Angebot an. Jetzt musste ich eben die Kroete schlucken und noch einen Tag in San Juan verbringen. 

Aber ich wollte nicht noch eine Nacht in dem teuren Hostal bei dem unfreundlichen Menschen verbringen. Daher machte ich mich gleich auf die Suche nach einem anderen Hostal. Ich fand das Hostal del Sal Lipez und die zwei freundlichen Frauen nahmen mich freundlich auf. Es kostete 50 Bolivianos, das sind umgerechnet 7 Euro. Mit Vollpension - super Fruestueck, Mittag- und Abendessen zahlte ich dann 100 Bolivianos. Ueberhaupt stellte ich fest, dass die Menschen in diesem Ort ueberaus freundlich waren. Nur der junge Hostalbesitzer, bei dem ich zuerst wohnte, fiel aus der Reihe. Bei einem Spaziergang durch die kleine Ortschaft sah ich ihn dann, sein Hostal weiter mit einer harten, weissen  Farbe zu streichen. Wahrscheinlich konnte er sich von dem Geld, das er mir abknuepfte, wieder Farbe kaufen.

Ich vertrieb mir die Zeit, um mit den Kindern der Hostalbesitzerin - Maria und Mira - zu spielen und dabei meinen spanischen Wortschatz zu verbessern. Bald hatten sie mein Handy als Spielzeug entdeckt und zeigten mir Funktionen, die ich selbst noch nicht kannte. 

Abends traf ich dann in einem anderen Hostal die Gruppe aus Tirol mit ihrem Guide Radek aus Polen. Gerne waere ich mit ihnen gereist, doch sie hatten keinen Platz mehr frei. So hiess es, noch einen Tag zu warten.

Anderntags musste ich dann in das Hostal umziehen, in das auch die naechste Gruppe kommen wuerde. Lustigerweise hiess auch das Hostal Don Alfredo. Das Ankommen der Gruppe war auf ca. 17 Uhr angekuendigt. Insgesamt kamen dann nacheinander 3 Gruppen mit je 6 Teilnehmern. Bei unserer Gruppe war ich dann der Sechste. Wir machten uns bekannt. Es waren alles sehr junge Teilnehmer. 2 junge Spanier - Mark und Maria aus Spanien, Elias aus der Schweiz und zwei Maedchen aus Amerika. Sie wollten natuerlich wissen, woher ich komme. Ich erzaehlte ihnen meine Geschichte. Sie waren beeindruckt. Schnell war ich in die Gruppe integriert.  Morgen frueh um sieben sollte es losgehen. Ich war sehr gespannt.

4. Juni 2016  Busnachtfahrt nach Uyuni

 

Letzte Besorgungen und Organisation fuer den Lagunentrail stehen heute an. Dazu ein weiteres Gespraech ueber Einzelheiten ueber eine geplante Kooperation mit Thomas Wilken. Gestern stand er ja erheblich unter Zeitdruck. Heute koennen wir in aller Ruhe nochmals Einzelheiten besprechen. Da ICH SCHON UM 10.30 Uhr das Zimmer geraumt haben muss, mein Bus aber erst um 20 Uhr wegfaehrt, stehe ich praktisch auf der Strasse. Dann packe ich meine Sachen aufs Fahrrad und schiebe es zum Busbahnhof. Es ist ja nicht weit, etwa 15 Minuten spaeter bin ich dort. Die Verladung des Rades klappt einwandfrei. Auch der Verladung der Radtaschen verleihe ich volle Aufmerksamkeit - aus Fehlern wird man klug. Es ist wieder ein Fernreisebus mit Liegesesseln. Allerdings kann ich keine Decke ergattern. Alle sind schon weg. Gottseidank habe ich eine warme Jacke an, denn auf der angekuendigten 10stuendigen Fahrt wird es zusehens kaelter. Jetzt waere eine Decke wirklich gut. Ich beginne zu frieren, an Schlaf ist nicht zu denken. Eigentlich ist die Ankunft auf 6 Uhr angekuendigt.

 

5. Juni 2016 Der Start auf dem Salar de Uyuni.

 

Aber bereits um 4.40 werden wir aus dem Bus geschmissen - wir sind da. es ist stockfinster und bitterkalt. Sicher im zweistelligen Minusbereich. Ein paar Frauen tummeln sich am Bushalteplatz und wollen die Reisenden mitnehmen zu einem Freuhstueck. Auch ich werde angesprochen. Bis ich aber das Rad und alle Taschen ausgeladen habe, sind alle verschwunden. Frierend irre ich durch die kalte Nacht in Uyuni. Da taucht doch nochmals eine andere Frau auf und nimmt mich mit in ein Cafeteria. Dort stehen zu meiner Freude schon Heizstrahler - vermutlich wird es jede Nacht so zugehen. Es gibt eine passables Fruehstueck. 4 weitere junge Backpackerinnen tauchen auf - gleich frierend wie ich. Erst so gegen 9 Uhr sind wir einigermassen aufgetaut. Ich nehme noch etwas Wasser und Proviant mit. Das GPS fuehrt mich aus der Ortschaft und auf die Strasse nach Cholchani. Und ein heftiger Gegenwind begruesst mich schon auf den ersten Kilometern. So brauche ich fast 2 Stunden, bis ich endlich die Salzoberflaeche unter meinen Reifen spuere. Schon lange habe ich mich darauf gefreut, mit dem Fatbike ueber den Salzsee zu brettern. Doch es will noch keine richtige Freude aufkommen. Die Oberflaeche ist diesmal ruppiger als vor 2 Jahren. Dann kommt zusehens Gegenwind dazu. Am Hotel del Sal lege ich eine kurze Pause ein. Gleich sind viele Neugierige um mich und meinem Fahrrad versammelt. Ein Guide  einer Gruppe kommt mit mir ins Gespraech. Er gibt mir wertvolle Tipps. Mein Tagesziel ist ja die Isla Incahuasi, eine Insel auf dem Salzsee. Er sagt, es seien noch genau 60 km von hier. Nach 30 km wuerden zum ersten Mal  die Spitzen der Insel am Horizont zu sehen sein. Die naechsten 30 km wuerde die Insel dann immer groesser bis man schlussendlich da sei. Ja, es ist tatsaechlich so. Bei 60 km ebener Flaeche kommt die Erdkruemmung ins Spiel. Nicht von ungefaehr wird der Salar de Uyuni auch fuer Erdkalibrierungen benutzt. 

Der Gegenwind wird immer heftiger, ich brauche immer oefters Pausen. So beginnt bereits schon die Daemmerung, als ich tatsaechlich auf der Insel lande. Eigentlich wollte ich am Rand mein Zelt aufschlagen. Doch nachdem ich ziemlich platt bin, schaue ich nach einem Quartier. Und da kommt mir auch schon Don Alfredo entgegen. Er ist der einzige, der immer schon auf der Insel gewohnt hat. Von ihm habe ich schon gehoert. Er fuehrt ein Besucherbuch, in dem sich alle "Non-motoristen" eintragen muessen. Gerne tue ich das. Als er erfaehrt, dass ich ein Namenskollege bin, ist das letzte Eis gebrochen. Er stellt mir eine einfache Kammer mit einem Feldbett zur Verfuegung. Das reicht mir vollkommen. Ich bin froh, heute kein Zelt aufstellen zu muessen. Im angrenzenden Restaurant gibt es noch eine Quinoasuppe, die einigermassen aufwaermt. Strom gibt es auf der Insel nur bei Tageslicht, da sie nicht an das Stromnetz angeschlossen ist und rein auf Solarstrom angewiesen ist. Jetzt habe ich ein Problem mit meinem Garmin. Ohne den Track wird es schwierig werden, morgen die richtige Richtung zu finden. Zu viele Spuren sind auf dem Salar. Es ist fatal, hier einen Fehler zu machen. Im Restaurant ist noch ein junger Chinese aus Hongkong. Er bekommt meine missliche Lage mit und stellt kurzerhand seine Powerbank zur Verfuegung. Wieder einmal spuere ich, wie wir alle aufeinander angewiesen sind und wieviele hilfsbereits Menschen es gibt.

 

6. Juni 2016  Die Moral bricht bei der Fahrt durch den Sandsturm

 

Nach der herzlichen Verabschiedung von Don Alfredo und dem jungen Chinesen geht es mit dem voll aufgeladenen Garmin in die richtige Richtung los. Heute ist noch kein Wind zu spueren und die Oberflaeche ist super. Es rollt genau so wie ich es mir vorgestellt habe. Mit einem fast 30er Schnitt geht es Richtung San Juan, meinem naechsten Tagesziel. Nur fuer Fotoaufnahmen unterbreche ich immer wieder die Fahrt. Es ist heute eine grandiose Fahrt ueber den im Sonnenlicht flimmernden Salzsee. Ich bin ganz allein. Im Durchschnitt alle halbe Stunde ueberholt mich weitlaeufig ein Jeep. Ich geniesse es in vollen Zuegen. Dann geht es zuerst auf einen Damm, danach auf eine Ruettel, Schuettel, Wellblechpiste. Zwischendurch wieder auf ebene Salzoberflaeche. Dann wird es zunehmend sandiger. Erstmals spuere ich deutlich, wie die Fattires versuchen, auf dem Sand zu "schwimmen". Doch bei tiefen Sandloechern sinke ich dann trotzdem ein und muss schieben. Es geht jezt auch steil nach oben. Der Wind nimmt rasant zu. Meistens kommt er aber von der Seite. Genau 15 km vor San Juan macht die Strasse einen Rechtsknick und geht aufwaerts. So hat es mir der Guide am Vortag auch beschrieben. Von Wind hat er allerdings nichts gesagt. Aber genau der blaest jetzt so stark, dass an Fahren icht mehr zu denken ist. Zweimal werde ich vom Rad geblasen. Dann schiebe ich nur noch. Der Wind wirbelt jetzt kleine Steine auf und natuerlich den Sand. Ich sehe kilometerlang nichts mehr. Mit aller Macht stemme ich mich mit dem schwer beladenen Fahrrad gegen den Wind. Habe nur noch den einen Gedanken: Nicht aufgeben, immer weiter. Irgendwann sind auch die 15 km geschafft. das dauert dann ganze 4 Stunden. Erst auf den letzten 4 km laesst der Wind dann etwas nach sodass ich wieder aufs Rad steigen kann. Eigentlich wollte ich am fruehen Nachmittag in San Juan sein, um die Vorraete fuer die naechsten Tage zu kaufen, denn es soll fuer einige Tage die letzte Gelegenheit sein, Essen und Trinken zu kaufen.

Jetzt aber bricht bereits die Dunkelheit herein, als ich die ersten Haeuser erreiche.

Bei meiner nicht allzu intensiven Suche finde ich nur ein Hostal. Das sieht von aussen ganz manierlich aus. Der Preis von 200 Bolivianos ist allerdings viel zu hoch. Ich bin aber zu muede, um nochmals auf Suche zu gehen. Nach einem kraeftigen Abendessen falle ich muede und mit gebrochener Moral ins Bett. Ich weiss noch nicht, wie es morgen weitergehen soll. Gegen einen solchen Wind kannst du einmal bestehen, nicht aber auf Dauer.

3. Juni 2016

Noch ein Tag in LaPaz

 

Wilfried reist heute nach Hause. Fast dreieinhalb Wochen Radreise durch Peru und Bolivien sind fuer ihn zu Ende. Wir haben uns gut verstanden und ergaenzt - und einige Hoehen und Tiefen, nicht nur geographisch, erlebt und durchgestanden.

Das heisst, es geht jetzt fuer mich allein weiter.  Eine grosse Umstellung. Eigentlich waere ja Joerg noch dabei.

Mit ihm habe ich heute telefoniert. Olinda Zachmann hat ihn von ihrem Handy aus telefonieren lassen. "Haben die Ehre" meldete er sich wie immer. Das zeigt, dass er allmaehlich wieder in sein urspruengliches Leben zurueckkehrt. Auch auf sein Rad will er zurueckkehren - sie muessen ihn mit aller Macht davon abhalten. Dabei hat er zur Zeit noch Probleme, alleine geradeaus zu laufen. Aber die Fortschritte sind unverkennbar.

Habe heute das Ticket fùer den Nachtbus nach Uyuni gekauft. Morgen Abend wird es in einer 10stuendigen Nachtfahrt nach Uyuni gehen - dem Startpunkt fuer den Laguna-Trail.

Habe heute auch mit Thomas Wilkens gesprochen. Er hat hier eine Trekking-Agentur und moechte zukuenftig auf meinen Vorschlag Fatbike-Touren auf dem Laguna-Trail in sein Portfolio aufnehmen. Er wird auch mein Fatbike uebernehmen. Die Geburtstunde einer erfolgreichen Kooperation ?

Habe heute nochmals die wuselige Atmosphaere von LaPaz genossen - und die steilen, kurzatmigkeit produzierenden Strassen mit einem unueberschaubaren Chaos von Haendlern, Fussgaengern und abgasproduzierenden, stinkenden Autos.

Im Hexenviertel wollte mir eine Haendlerin Steine verkaufen. Ich lehnte ab - aber wollte gegen Geld ein Foto von ihr machen. Gab ihr 2 Bolivianos - worauf sie den Hut vor das Gesicht hielt. Erst als ich ihr 5 Bolivianos in die Hand drueckte, zeigte sie ihr Laecheln und ihre goldenen, zahlreichen Zahnersatz. Wollte eigentlich das Foto beifuegen, geht aber auf diesem Computer nicht.

Habe es heute nochmals geschafft, einen Tagesbericht zu schreiben. Was nicht ganz einfach war. Denn der Computer, auf dem ich schreibe, hat auch die suedamerikanische Krankheit - es funktioniert fast nichts. Buchstaben bleiben haengen und sind vertauscht. Umlaute gibt es ja nicht, aber das ist das kleinste Problem. Auf jeden Fall wuerde ich mich gluecklich schaetzen, die naechsten Tage ueberhaupt so ein Geraet unter die Finger zu bekommen.

Vamos a ver und hasta luego

Alfredo

 

2. Juni 2016

Wilfried auf der Death Road, Alfred macht Ruhetag

 

Etwas Hektik kam gestern Abend noch auf, als der Radkoffer nicht wie vereinbart um 17 Uhr mit dem Titikakabus eintraf, sondern erst mit dem Spätbus um 22.30 Uhr. Aber Hauptsache, dass es auch mit dem letzten Teilstück der Koffer-Reise letztendlich geklappt hat. Ein Angestellter des Hotels hat uns dabei dank seiner Englisch-Kenntnisse gut unterstützt.

Früh schon geht es für Wilfried heute los. Er hat sich für die Death Road angemeldet. Was für ein Abschluß dieser Radreise! Das ist natürlich die Krönung einer erlebnisreichen Radreise durch Peru und Bolivien. Es wird viel zu erzählen geben.

Nachdem ich ja schon vor 2 Jahren die Death Road gefahren bin, habe ich mich heute für mein kommendes Highlight geistig und logistisch vorbereitet: den Laguna-Trail. Habe dazu einen Besuch bei Christian und seiner Casa de Ciclista gemacht. Er ist ja die Anlaufstelle für alle Radler, die sich hier tummeln. Leider war er beschäftigt, trotzdem hat er mir wertvolle Beschreibungen des Trails zukommen lassen. Werde morgen nochmals eine knappe Stunde Fußmarsch auf den steilen Straßen von La Paz in Kauf nehmen, um weitere Details zu bekommen.

Da ich nicht das ganze Gepäck durch die bolivianische Wüste schleppen will, steht für mich die Entscheidung an, was ich mitnehmen bzw. Wilfried oder der bolivianschen Post gebe, um es zurück nach Deutschland zu schicken. Jedes Kilo weniger auf den tiefen Sandpisten,die mich erwarten, wird mir guttun. Auch mein Netbook werde ich voraussichtlich nicht mitnehmen, da ich in den nächsten 10 Tagen wegen fehlendem Internet sowieso keine Gelegenheit haben werde, Berichte abzusetzen. Ich bitte euch, mir das zu verzeihen.

1. Juni 2016

Endziel La Paz für Wilfried

 

Heute steuern wir La Paz an. Es ist ja das Endziel für Wilfried. Nach einem passablen Frühstück in der Kältekammer des Hotels Titikaka geht es auf dem Fahrrad gleich frostig weiter. 3 Grad zeigt das Thermometer, obwohl die Sonne schon hinter den Bergen hervorgekommen ist. Ganz allmählich setzen sich ihre wärmenden Strahlen durch und die Finger tauen allmählich auf. Wir wollen nur bis in den Großraum LaPaz mit dem Fahrrad fahren, um dann bei immer dichter werdendem Verkehr in ein Taxi  einzusteigen. Wir versuchen es einige Male, doch keiner macht Anstalten, uns mitzunehmen. Zum hektischen Verkehr kommt noch die Großbaustelle der Straße. Die beginnt 80 km vor LaPaz und geht bis in das Zentrum ElAltos. Immer wieder können wir die planierte neue Trasse nutzen, was etwas Entspannung bringt. Beinahe hätte ich wieder die Abzweigung der Stadtautobahn nach LaPaz verpasst. Aber es gelingt uns gerade noch, richtig einzufädeln. Vor der Abfahrt nach LaPaz folgt noch ein Blick von einem Aussichtspunkt auf den Millionenmoloch. Dann geht es auf übler Piste - offiziell die Stadtautobahn von LaPaz - hinunter. Plötzlich staut der ganze Verkehr, einge Fahrzeuge kommen iuns auf der Standspur entgegen. Bald schon sehen wir die Ursache. Streikende haben mit brennenden Autoreifen mitten auf der Fahrspur den Verkehr zum Erliegen gebracht. Viele Menschen sind auf der Straße. Es gibt aber keine Feindseeligkeiten oder Gewalt. Erst schieben wir unsere Räder durch die dichte Menschenmenge, danach ist es wieder möglich, zu fahren. Relativ gut finden wir das anvisierte Hotel Rosario in der Calle Illampu. Wenn wir jetzt noch Wilfrieds Radkoffer am Busterminal in Empfang nehmen können, sind wir happy. Morgen planen wir zum Abschluß von Wilfrieds Südamerika-Tour noch die Death Road.

 

 

31. Mai 2016

Traumtour am Titikakasee

 

Nachdem wir den Radkoffer bei der Busfirma „Titicaca-Tours“ mit einigen Schwierigkeiten aufgegeben haben, kann es endlich mal wieder mit dem Rad weitergehen. Zuerst steht ein 600hm Anstieg auf knapp 4300 m an, der jedoch immer wieder schöne „Rückblicke“ auf Copacabana zulässt. Trotz wieder einmal wolkenlosem Himmel ist es sehr frisch, das Thermometer kommt hier oben nicht in den zweitstelligen Bereich. Wasserpfützen sind sogar noch zugefroren. Je nach Wind- und Fahrtrichtung ist es dann unten entlang des Titicacasees in der Sonne wieder wärmer. Der See ist überall. Mal taucht er rechts, mal links, mal auf beiden Seiten von der Straße auf. Nach knapp 40 km geht es mit einer Fähre auf einen anderen Seitenarm. Der Wind mischt die Wellen so auf, dass das kleine Boot arg in Schieflage gerät. Wir sind zwar nicht seekrank, dennoch froh, nach einer Viertelstunde Überfahrt wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Danach geht es nochmals an die 4000er Marke aufwärts. Nach einer längeren Abfahrt fahren wir dann überwiegend flach am Ufer des Sees entlang; immer wieder durch kleinere Ansiedlungen. Tagesziel ist das Hotel Inka Utama, das ich noch vom Andentrail 2014 in bester Erinnerung habe. Wir finden es auch schnell. Leider ist uns der Preis zu hoch: 425 Bolivianos entsprechen rund 65 Euros.So viel haben wir noch nirgends bezahlt. Allerdings hat es auch kein WLAN zu bieten. So fahren wir weiter und suchen des Hotel Titicacasee. Wir verpassen es allerdings, da durch eine Riesenbaustelle wahrscheinlich die Schilder entfernt wurden. Erst in Huarina merken wir, dass wir zu weit sind. Also geht es nochmals 5 km zurück. Zu unserer Überrraschung sind wir die einzigen Gäste in dem großen Hotel. Vom Standard kann es mit dem Inka Utama bei weitem nicht mithalten. Trotzdem soll es ähnlich viel kosten. Erst als wir mit dem Chef verhandeln und den Preis um 60 Bolivianos drücken können, beschließen wir, hier zu bleiben. Das reichliche und gute Abendessen ist die Bestätigung für den richtigen Entschluss. Zu zweit sitzen wir in einem Speisesaal, der 500 Leute fassen könnte.

Nach dem Essen geht es schon um 19 Uhr unter die warme Bettdecke.Die Zimmertemperatur liegt im einstelligenBereich.

 

30. Mai 2016

Das Wunder von Copacabana

 

Nach schlechtem Schlaf wache ich morgens etzwas gerädert auf. Zu sehr hat mich der fehlende Rucksack beschäftigt. Wo war er weg gekommen?

Wir müssen einen Ruhetag einlegen in Copacabana. Der Busfahrer wird ja erst nach 6 Uhr abends wieder zurückkommen von Puno. Und Wilfried muss den Transport vom Radkoffer nach La Paz organsieren.

Nach einem geruhsamen Vormittag unternehmen wir nachmittags eine über 3stündige Schiffstour auf die „Isla del Sol“ - einer Geburtstätte der Inkakultur. Trotz wolkenlosem Himmel bläst eine kühle Brise über den Titikakasee. Dieser dürfte weniger als 10° Wassertempaeratur haben. Die Sicht ist gigantisch. Hinter dem See ragen die schneebedeckten 6tausender der Cordillera Real in den wolkenlosen Himmel. Auf der Insel selbst gibt es nur wenige Ruinen zu besichtigen. Der Kommerz hat auch hier auf dieser abgelegenen Insel schon Einzug gehalten.

Kurz vor 6 Uhr sind wir zurück und können noch den Sonnenuntergang über dem Titikakasee bewundern.

So gegen halb Sieben taucht der Bus aus Puno auf. Schon von weitem sehe ich einen grinsenden Busfahrer. Er winkt mich in den Bus. Dos cientos US Dollar will er für den gefundenen? Rucksack. Er hat anscheinend ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis. Gestern abend haben wir ihm 100 US Dollar geboten, wenn er den Rucksack findet. Wo auch immer. Jetzt will er die Situation nutzen. Er selbst habe große Unkosten gehabt und es sei äusserst schwierig gewesen, ihn zu finden. Wir schalten einen uruguayischen Busreisenden ein, der sowohl Englisch als auch Spanisch spricht. Nach einer Viertelstunde verhandeln einigen wir uns auf 850 Bolivianos, das sind etwas mehr als 120 US Dollar. Ich kann es verschmerzen, denn ich habe meinen Rucksack mit den wichtigen Utensilien wieder. Voller Freude schreibe ich deshalb auf meinem Netbook diesen Bericht. Heute werde ich besser schlafen können.

 

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Alfred Mähr